KlappmaulpuppenZur Unterstützung der Kindertherapie durch Einsatz von Klappmaulpuppen haben sich 4 unserer Therapeuten bei dem bekannten Puppenspieler Bodo Schulte im Umgang mit den witzigen Figuren schulen lassen. Bodo Schulte war dafür 2 Tage in der Praxis für Sprachtherapie Tanja Filthaut in Menden zu Gast.

Jeder von uns kennt Ernie und Bert oder Miss Piggy und Kermit den Frosch aus der Sesamstraße und der Muppetshow - all diese Figuren sind berühmte Vertreter der sogenannten Klappmaulpuppe. Klappmaulpuppen finden ihren „Arbeitsplatz“ meist im Fernsehen und auf der Bühne - manchmal aber auch in der therapeutisch-pädagogischen Arbeit mit Kindern. Sprechängstlichen oder schüchternen Kindern, die sich zunächst schwer tun, Kontakt mit dem Therapeuten aufzunehmen, kann die Puppe eine „Brücke“ zur Beziehungsaufnahme bauen.

Puppen können aber noch viel mehr.  Sie können das Verhalten eines Kindes „spiegeln“, also zum Beispiel auch ängstlich sein. Somit erfährt das Kind eine Art Solidarität und bekommt zudem die Möglichkeit, die Figur als Modell zu nehmen: Die Puppe hat Angst - sie öffnet sich nach und nach, macht die Erfahrung, dass die Situation ungefährlich ist und fängt an, frei zu agieren. In diesem Zusammenhang machen wir in der Praxis immer wieder die Erfahrung, dass eine Puppe, egal ob es sich um eine Schnecke, eine Schildkröte oder ein Schaf handelt, deutlich überzeugender auf die Kinder wirkt, als die Überredungskünste von Erwachsenen.

Auch wir Erwachsenen kennen die Faszination, die von Klappmaulpuppen ausgeht: Der Blick des Betrachters löst sich vom Puppenspieler und fokussiert die Figur. Sie wirkt auf uns und wird lebendig: Charaktereigenschaften, Marotten, Gefühle und Ziele der Figur werden sichtbar und nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Kindern intuitiv erfasst. Dieses Phänomen der Fokussierung ist vor allem in der therapeutischen Arbeit mit Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen von unschätzbarem Wert. Die Kinder lernen ihren Blick, ihre Konzentration und Aufmerksamkeit zu richten, zu halten und vor allem zu genießen. Die dabei entstehenden Bilder in den Köpfen des Betrachters fördern lern- und sprachpsychologische Prozesse (u.a. Abstraktion und Kreativität), die für einen differenzierten Spracherwerb absolut notwendig sind.

Nicht zuletzt können im Puppenspiel auch Kommunikationssituationen gestaltet werden, die den Transfer von Lerninhalten in die Alltagssituation vorbereiten - zum Beispiel in der Arbeit mit stotternden Kindern: Bevor ich mich traue eine Sprechtechnik im „wirklichen Leben“ umzusetzen, wende ich sie zunächst in einem Rollenspiel an.

Um alle diese Ziele zu erreichen, muss eine Puppe so gespielt werden können, dass sie nicht „puppig“ wirkt, sondern zu einer lebendigen Figur wird. Sie muss authentisch werden, sonst bleibt der Einsatz unglaubwürdig und „seelenlos“. Hier hat uns Bodo Schulte nicht nur theoretisch sondern vor allem durch viele praktische Übungen sensibilisiert und auf den Weg gebracht. Den Luxus, einen so kompetenten und renommierten Referenten wie Bodo Schulte zu Gast zu haben, haben alle Teilnehmer sehr zu schätzen gewusst.

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